Auf Tuchfühlung – Wohnen zum Anfassen

Wie fühlt sich Ihr Sofabezug an? Und legen Sie die Arme gerne auf den Tisch? Beim Einrichten sollte man auch auf seinen Tastsinn vertrauen


Farben und Formen

Beim Einrichten spielen Farben und Formen eine wichtige Rolle, das ist klar. Immerhin sprechen sie unseren visuellen Sinn an, und so können wir auf den ersten Blick erkennen, ob uns ein Interior Design gut oder weniger gut gefällt. Wenn man aber einen Raum im wörtlichen Sinne betritt, taucht man in ein multisensorisches Erlebnis ein – ein Interior spricht nämlich alle Sinne an. Ganz besonders wichtig ist dabei die Haptik, der Tastsinn. Mit ihm entscheiden wir: Wie fühlt sich dieser Raum an?


Im Rausch der Sinne: Fühlen Sie Ihre Einrichtung

Haben Sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht wie Sie etwas buchstäblich begreifen? Sie streichen über eine Oberfläche und sind im wahrsten Sinne berührt. Sie drücken mit dem Finger auf eine Fläche und erfahren seine Festigkeit und Konsistenz. Sie umfassen einen Gegenstand und erkennen seine Dimension. Sie fahren die Konturen eines Objektes nach und erfassen seine Form. Für diese komplexen Zuordnungen brauchen Sie lediglich Ihre Finger.
Schon ab der sechsten Woche nach der Befruchtung ist der Tastsinn entwickelt, er ist einer unserer wichtigsten Sinne, die Haut mit ihren Nervenzellen unsere größte Kontaktfläche zur Umwelt. Was hat das nun mit Einrichtung zu tun? Sehr viel. Denn was unsere Haut berührt, berührt uns. Was sich gut anfühlt, tut uns gut. Einrichtung wird in diesem Sinne manchmal als unsere dritte Haut bezeichnet. Aber wie finden Sie heraus, welche Materialien Sie im wahrsten Sinne des Wortes berühren und wie Sie diese in Ihre Einrichtung integrieren?


Entscheiden Sie nicht nur mit den Händen

Überlegen Sie mal: Warum sind Ihre Lieblingsmöbel eben die? Wahrscheinlich, weil sie sich sehr gut anfühlen, oder? Ihre Haptik entscheidet, ob Sie diesen einen Ledersessel oder doch das Sofa aus Leinenstoff besser finden, den Tisch aus Marmor besser als den aus Holz oder den aus Glas …

Wohnen passiert mit dem gesamten Körper. Wir laufen barfuß über Flächen, liegen mit nackten Beinen auf dem Sofa, sitzen in Shorts auf Stühlen, lehnen uns an Möbel, Türen, Wände an. Je nach Körperteil nehmen wir Oberflächen auch unterschiedlich wahr. Das hängt mit der Stärke der Haut und mit der Tastschärfe zusammen, die zum Beispiel an den Fingerkuppen besonders ausgeprägt ist. Wenn Sie Möbel oder Stoffe auswählen, machen Sie sich zuvor bewusst, wie und womit sie diese berühren werden.
Wollen Sie sich zum Beispiel einen neuen Arbeitsplatz einrichten, dann denken Sie daran, dass die Unterarme häufig direkt auf der Schreibtischplatte liegen. Schließen Sie die Augen und berühren Sie das ausgewählte Material mit ihren Unterarmen, nehmen Sie ihre Reaktion wahr. Ist es warm, kühl, scharfkantig oder abgerundet,…? Gefällt Ihnen, was Sie da spüren? Welches Gefühl folgt der Berührung? Empfinden Sie Ihre Reaktion als angenehm?

Wenn Sie einen Stoff für ein neues Sofa aussuchen, dann schließen Sie auch hierbei die Augen und berühren den Stoff. Fühlt er sich in allen Lagen für Sie wohltuend an?


Nehmen Sie sich Zeit für Ihre Entscheidung – optisch und haptisch!

Wenn Sie mit Ihrer Umgebung auf Tuchfühlung gehen wollen, sollten Sie sich dafür Ruhe gönnen, damit Sie die Wirkung einzelner Materialen und ihre Reaktion darauf besser einordnen können. Stress und Zeitdruck können dabei das Urteilsvermögen verfälschen. Mir ist es selbst schon so gegangen. An dem Tag, an dem wir in der Familie über einen neuen Sofabezug gesprochen haben, war ich genervt von anderen Dingen und habe mir einfach nicht die Zeit genommen die Auswahl in Ruhe zu prüfen. Leider muss ich mich jetzt mit einem Sofa arrangieren, dessen Oberfläche mir Gänsehaut macht. Meine Erste-Hilfe-Maßnahme ist jetzt ein großes Schaffell. Aber besser, Sie lassen es gar nicht erst so weit kommen.
Am besten treffen Sie zunächst eine Vorauswahl nach Optik, Farbe, Eigenschaften und Preis. Gehen Sie mit geschlossenen Augen auf persönliche Tuchfühlung. Streichen, drücken, fahren, umfassen Sie mit Ihren Händen das Material. Wie fühlt es sich für Sie an? Glatt, samtig, rau, kühl, hubbelig, weich, hart,….? Mögen Sie die geweckten Gefühle?


Materialien und ihre Oberfläche verbinden wir mit bestimmten Kennzeichen, die oft auch ein Gefühl beschreiben:

  •  Glas: kühl, spiegelnd, festlich, glänzend
  •  Schaf-Fell: plüschig, warm, stumpf
  •  Edelstahl : kalt, hart, dicht
  •  Seide: raschelt, glatt, elegant, kühlt, zart
  •  Marmor: glatt, opulent, kalt - Holz: stumpf, rau, warm, individuell

Die verschiedenen Materialien in der Einrichtung

Sie haben nun Materialien gefunden, die Ihnen behagen und jetzt schließen wir die übrigen Sinne wieder mit ein. Optisch wie haptisch sorgt eine ausgewogene Mischung aus glatten, matten, rauen, weichen und harten Oberflächen für eine lebendige Raumwirkung. Wenn Sie mit diesen Attributen spielen, kalte und warme Materialien miteinander vermischen - schaffen Sie sich ein spannendes und gemütliches Zuhause.
Besonders gut kombinieren Holz und Metall, zum Beispiel bei einer Bank oder einem Tisch. Oder Sie arrangieren Möbel und Wohnaccessoires aus verschiedenen Materialien in einem Raum, wie zum Beispiel ein Ledersofa zu einem Marmortisch, ein Metall-Sideboard zu einem flauschigen Wollteppich.

Sie können natürlich den Materialmix je nach Raumnutzung variieren. Im Schlafzimmer möchten Sie vielleicht vermehrt das Gefühl von Geborgenheit spüren, dann kann die Materialauswahl in Richtung matter und weicher Oberflächen ausfallen. Überlegen Sie doch mal, wie Sie sich in Ihren anderen Räumen fühlen möchten!
Welche Materialien fühlen sich für Sie gut an? Inwiefern achten Sie beim Einrichten auf die Haptik und verschiedene Texturen?

Spüren Sie schon was?