Wohnen ohne Tannenbaum - entrümpeln Sie Ihre Wohnung gleich mit

Die Entrümpelung der Wohnung rangiert unter den Neujahrsvorsätzen gleich hinter der Gesundheitsoffensive.

Da liegen sie schon wieder am Straßenrand. Und ganz ohne Reste von Lametta – dieser Retro-Trend scheint im beobachteten Gebiet wieder vorbei zu sein. Von der prinzipiell traurigen Lage abgesehen, wirken sie durchaus dekorativ: so dunkelgrün, wie fast alle noch sind, machen sie die mit Schneeresten bedeckten Bordsteinkanten zum Gehölz.
Am 13. Januar, ist St. Knuts-Tag in Schweden, da fliegen, glaubt man der Ikea-Werbung, die bei einem Schnäpschen abgeschmückten Weihnachtsbäume direkt aus den Fenstern auf die Straße – und lassen die jetzt wieder ungehindert passierbaren Wohnräume so leer wirken, dass ein Ausflug zum Möbelhaus geradezu zur Ehrensache wird. „Der ganze alte Schrott muss raus und neuer Schrott muss rein“, wie es bei Element of Crime heißt.

Gute Vorsätze fürs neue Jahr

Auch ich habe aus dem Buchtauschregal meines Sportclubs rechtzeitig den Klassiker „Simplify your life“ mitgenommen (und bereits wieder zurückgebracht), und eine andere, kurz vor Silvester „gerundmailte“ Quelle empfiehlt, um die Energie wieder fließen zu lassen, neun Tage lang in Folge jeweils 27 Dinge zu entsorgen.
Das scheint mir nicht viel, wenn ich so in die Schränke und Regale schaue. Meine Bücher reduziere ich jedes Jahr sowieso um gute zehn Prozent. Dass ich einen Band seit meiner Abiturzeit besitze, ist für mich kein Argument mehr, ihn auch im nächsten Jahr noch abzustauben. Und die Aussicht auf irgendwann leere Wände schreckt mich nicht. Bis dahin gibt es alles Wichtige digital.

„Wohnst du noch oder lebst du schon?“, war Anfang der Nuller Jahre ein Werbespruch, der auf den Punkt brachte, in welchem Larvenstadium sich die meisten noch befinden. Denn tatsächlich ist man in der Stadt bereits mit dem Wohnen in der Regel überfordert. Sich ein Umfeld zu schaffen, das den Bedürfnissen entspricht, die Persönlichkeit repräsentiert und bezahlt werden kann, ist eine Sisyphos-Aufgabe, an der schon manche Beziehung zerbrach.

Fast alle doktern doch seit Jahren an ihren Bad- oder Küchenlösungen herum, verwandeln Arbeits- in Kinderzimmer oder große in zwei kleine Räume und surfen abends durch die Immobilienportale, um sich die schönen, die passenden Wohnungen mit Kamin und kleinem Garten wenigstens mal anzusehen.

So reicht das Wohnen trotz der Bereitschaft, auf mehr und mehr Lametta zu verzichten, am Ende doch nie an das Leben oder die Quadratmeter heran, die man sich so wünscht. Oder ist es das vertrackte Wünschen, das einfach immer größer wird?

Nutzen Sie den Jahresanfang um auszumisten


Neu gegen Alt

Ordnung ist das halbe Leben, wussten schon unsere Großmütter. Aber wo fängt man an? Wo hört man auf? Wer partout nichts wegwerfen kann, sollte sich an diese simple Regel halten: Für jedes neue Teil, fliegt ein Teil raus. Das Prozedere tut nicht weh und wirkt wie ein mentales Stoppschild gegen spontane Fehlkäufe: Bevor man etwas shoppt, muss man entscheiden, was dafür geht. Die Idee basiert auf der buddhistischen Lehre und soll dem Saubermachen der Seele dienen: „Lerne loszulassen, das ist der Schlüssel zum Glück“, so der Leitspruch.

Drei-Kisten-Methode

Statistisch gesehen besitzt jeder Deutsche rund 10.000 Dinge. Da sollte es doch möglich sein, sich von drei großen Kartons voll Zeug zu trennen, oder? In die erste Kiste kommt das, was Sie gern behalten möchten. In Kiste zwei landen alle Gegenstände, die Sie nicht mehr brauchen, aber an andere weitergeben oder spenden möchten, und in der dritten Kiste sammeln Sie Abfall. Sie werden überrascht sein, wie viel in Kiste zwei und drei landet. Und wenn nicht: Lagern Sie all die Dinge in Kiste eins ein halbes Jahr lang im Keller: Alles, was Sie nicht vermisst oder gebraucht haben, fliegt danach in die Tonne. Dieses „Probewegwerfen“ ist ein Trick mit dem Sie sich selbst überlisten können.

„Death Cleaning“

Jetzt wird es radikal, denn dieser neue Aufräumtrend aus Schweden ist eher eine Lebensphilosophie: „Döstädning“ heißt der Ratgeber von Margareta Magnusson im Original – eine Kombination aus den schwedischen Worten „sterben“ und „Sauberkeit“. Es geht darum, seinen Besitz so auszumisten, dass man morgen sterben kann und die Hinterbliebenen sich um nichts kümmern müssen. Für Magnusson ist „Death Cleaning“ ein andauernder Prozess, der zwar morbide klingt, aber den Blick auf die schönen Dinge des Lebens lenken soll. Wir behalten nur, was uns jetzt Freude bereitet und das Leben lebenswert macht.


So easy

Ohne große Aktion können Sie zum Beispiel auch einfach einen Monat lang, jeden Tag, eine von Ihnen bestimmte Anzahl von Gegenständen aussortieren. Sie werden sich am Ende des Monats leichter fühlen, im wahrsten Sinne des Wortes. Vielleicht werden Sie sogar ganz freiwillig noch einen Monat dranhängen.

Der Weg zur neuen Leichtigkeit kann ziemlich schwer sein. Doch packt man das Ausrangieren spielerisch an, bringt es sogar Spaß!