Heizkörper oder Fußbodenheizung – eine Heizungs-Frage

Hand aufs Herz: Man setzt sich in den wenigsten Situationen mit der Heizung auseinander. Solange alles läuft und kein Umzug oder vielleicht sogar ein Hausbau ansteht, ist das Thema Heizung für fast jeden (die Heizungsbauer unter uns einmal ausgeschlossen) kein Thema. Spätestens wenn in der Altbauwohnung der Heizkessel zickt oder die Planung des eigenen „Eigenheims“ ins Land ziehen, ist es soweit. Es ist an der Zeit für Heizung!  
Die Gretchenfrage rund um dieses Thema ist schnell gefunden: „Heizkörper oder Fußbodenheizung – das ist hier die Frage?“
 

Heizkörper und Fußbodenheizung – eine Definition

Der klassische Heizkörper

Der klassische Heizkörper ist der Teil einer Heizanlage, der als Wärmetauscher fungiert und für die Abgabe der thermischen Energie in die zu heizenden Räumen zuständig ist. Die meist aus Stahl oder anderen Metallen gefertigten Heizkörper werden auch als Radiatoren oder Konvektoren bezeichnet. Die gängigsten Formen dieses „Wärmeendgerätes“ sind der traditionelle Rippenheizkörper, der Porzellan-Heizkörper und der Plattenheizkörper.

Das Prinzip eines Heizkörpers basiert auf den physikalischen Gesetzen der natürlichen Konvektion. Ein Wärmemedium strömt durch einen geschlossenen Kreislauf und gibt an den gewünschten Punkten - den Heizkörpern – Wärme an die Umgebung ab. Durch das Absenken des ausgekühlten Wärmemediums entsteht ein permanenter Kreislauf (Schwerkraftzirkulation).
Der Heizkörper übernimmt im Heizsystem die Wärmeabgabe an die Umluft. Diese erfolgt im Normalfall durch die Abgabe von Wärme durch eine möglichst große Oberfläche. Das Heizen über direkte Wärmestrahlung ist aktuell eher die Ausnahme (Infrarot-Heizung).

Heizleistung und Raumgröße bedingen sich gegenseitig. Die Heizlast errechnet sich aus baulichen Gegebenheiten, der vorhandenen Wärmedämmung, dem Anteil an Außenwänden n und letztlich der Größe des zu heizenden Raumes. Ein Standardwert zur Ermittlung der Heizlast in Deutschland sind derzeit 80 Watt pro Quadratmeter Raumfläche.
 

Die Fußbodenheizung

Eine Fußbodenheizung fußt auf dem gleichen Heizprinzip, wie ein gewöhnlicher Heizkörper. Jedoch wird bei diesem „Heizprinzip“ keine kleine Fläche auf hohe Temperatur erhitzt, sondern eine große Fläche auf eine bei weitem kleinere Temperatur gebracht.
Eine Fußbodenheizung ist eine Flächenheizung. Der gesamte Raum wird mittels verlegter Heizrohre mit warmen Wasser geheizt.

Bereits im alten Rom wurde diese Heizungsart verwendet. Das Hypokaustum ist zusammen mit dem koreanischen Ondol eine historische Art der Flächenheizung, welche einen großen Flächenheizkörper mit einer geringen Grundwärme versorgt und somit selbst große Räume zuverlässig heizen kann.


 

Die Sache mit der Hitze – Wärmeleistung im Vergleich

„Eine Heizung soll heizen“, soviel zum grundsätzlichen Anspruch an jedes Heizungssystem. In Sachen Wärmeleistung unterscheiden sich Heizkörper und Fußbodenheizung jedoch grundsätzlich. In Sachen Wärmeverteilung ist die Fußbodenheizung auf weiter Flur der Platzhirsch. Bei dieser Heizungsart wird direkte Strahlungswärme verwendet, um Wohnung oder Haus auf Temperatur zu halten.

Ein Heizkörper hingegen bedient sich der Konvektion. Durch die Abgabe von Wärme (richtig viel Wärme) wird die umgebende Luft erwärmt. In Folge dieses Vorgangs erwärmt sich die Luft und steigt an die Decke. Warme und kalte Luft befinden sich in einem „strömenden Kreislauf“ und es herrschen unterschiedliche Klimazonen im Raum. Das Endergebnis erinnert stark an eine Nacht vorm Lagerfeuer. In direkter Nähe zum Heizkörper herrscht eine beinahe unangenehme Temperatur, während es abseits „der Heizung“ noch zu kalt ist.
In Sachen Energieeffizienz wird hierbei viel Energie verschwendet, um einen Großteil des Raums sinnlos zu überheizen.

Eine Fußbodenheizung arbeitet mit einer niedrigeren Temperatur, welche über eine größere Fläche „ausgeliefert“ wird. Die Luftzirkulation im Raum ist deutlich niedriger und die Wärmeleistung und somit auch die gefühlte Raumtemperatur angenehmer.
 

Effizienz und Kosten

In Sachen Energieeffizienz und Verbrauchskosten ist eine Fußbodenheizung der ungeschlagene Champion. Ein solches Heizsystem kann mit einer deutlich niedrigeren Vorlauf-Temperatur (die Temperatur, mit der das Wärmemedium den Heizkreislauf durchströmt) gefahren werden. Im Durchschnitt läuft ein Heizkörpersystem mit einer durchschnittlichen Vorlauftemperatur von rund 70° Celsius.

Durch die bereits beschriebene Funktionsweise einer Fußbodenheizung lässt sich die Heizanlage mit einer weitaus niedrigeren Temperatur betreiben. Bei einem gut gedämmten Objekt sind Vorlauftemperaturen von 33° Celsius keine Seltenheit. Die Folgen aus dieser Medientemperatur sind drastisch. Der Heizkreislauf muss bedeutend weniger aufgeheizt werden und dies bedeutet weniger Verschwendung. Und zwar sowohl weniger Energieverschwendung und daraus folgend weniger Geldverschwendung.

Auch nachhaltigere Heizmethoden wie Luft-Wärmepumpen werden durch die geringere Vorlauftemperatur erst möglich.

In Sachen Kosten scheiden sich die Geister beim Vergleich von Fußbodenheizung und Heizkörper. Die weitverbreitete Meinung, dass Heizkörper die billigere Alternative zur Fußbodenheizung seien, ist erwiesenermaßen falsch. Beim Neubau halten sich die Kosten für beide Möglichkeiten im Großen die Waage. Aus diesem Grunde werden bei Neuplanungen beinahe ausschließlich Fußbodenheizungen verbaut.
In Sachen „Nachrüstung“ erweist sich die weitverbreitete Vormeinung jedoch als richtig. Die Heizrohre sind durch den Estrich bedeckt und dieser „liegt“ unterm Parkett oder Laminat verborgen. Eine schnelle und kostengünstige Nachrüstung ist somit unmöglich.

 

Raumklima und Wohlfühlfaktor – Heizkörper oder Fußbodenheizung

Wie wohnt es sich angenehmer? Hier scheiden sich die Geister. Wer klassische Heizkörper gewöhnt ist, dem ist die Strahlenhitze einer Fußbodenheizung oft „eine Nummer zu viel“.
Obwohl die Heiztemperatur deutlich unter der eines konventionellen Heizkörpers liegt, muss man sich an das Fußbodenheizungsklima gewöhnen.

„Normale“ Heizkörper neigen dazu, den Raum zu überhitzen. Dies hat für das Raumklima negative Auswirkungen. Ein reduzierter Sauerstoffgehalt der Luft und eine zu niedrige Luftfeuchtigkeit sind die gängigsten Klimanachteile eines konventionellen Heizkörpers.
Insgesamt müssen Heizkörper-Räume öfter gelüftet werden.
In Sachen Sauerstoffgehalt, Raumwärme und Raumklima sind Fußbodenheizungen im Normalfall die angenehmeren und somit beliebteren Wohnräume. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit möchte man das Fußbodenklima nicht mehr missen.
 

Look-and-Feel – die unsichtbare Heizung und der ewig störende Heizkörper

Geht es uns nur um die Raumästhetik und den Schönheitsaspekt, so würde wohl niemand freiwillig einen Heizkörper verbauen. Selbst mutmaßliche Designstücke wirken in beinahe jeder Wohnung als Fremdkörper. Der Wohnraum wird durch den Heizkörper dominiert und obendrauf nimmt „die Heizung“ ordentlich Platz in Beschlag.
Einmal im Genuss einer heizkörperfreien Wohnung möchte man in den seltensten Fällen zurück.