Die Naturfaser Hanf: schön, robust und umweltbewusst

Textil, Teppich oder Dämmmaterial? Die Naturfaser Hanf kann viele Formen annehmen und ist ein gesunder, langlebiger Begleiter im Wohnbereich.
Hanf ist eine jahrtausendealte Nutzpflanze, die in den letzten Jahren wieder an Attraktivität gewonnen hat und inzwischen, aus der alternativen Nische kommend, eine breite Öffentlichkeit erreicht und inspiriert. Die Pflanze ist widerstandsfähig, schnell wachsend und schädlingsresistent, weshalb zum Anbau keine Pestizide nötig sind. Gerade das macht sie zum idealen Material für Allergikerprodukte. Vielseitigkeit ist ihr zweiter Vorname: Man kann die Fasern zu Textilien und Baumaterialien und das wertvolle Öl der Samen zu Kosmetika und Nahrungsmitteln verarbeiten. Mit dieser Naturfaser halten Umweltbewusstsein, Modernität und altes Wissen Einzug in Ihre vier Wände.

Hanf ist eine faszinierende Pflanze, die mit Ihren Möglichkeiten der Verarbeitung einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeit dieser Welt beitragen kann. Hanf wächst in wenigen Wochen bis zu 4 Meter hoch und erzeugt somit in sehr kurzer Zeit viel "Biomasse".

Wohnen mit Hanf

Anbau und Ökologie

Nutzhanfplantagen findet man vor allem in Asien und Indien. Die Hanfpflanze Cannabis sativawird bis zu 3,5 Metern hoch. Sie besitzt lange, robuste Hohlfasern, wächst vergleichsweise schnell und bindet viel CO2. Hanfpflanzen brauchen zum Wachstum weder viel Wasser noch anspruchsvolle oder nährstoffreiche Böden. Da die genügsamen Pflanzen viele Bitterstoffe und kaum Eiweiße enthalten, werden sie von Insekten und andere Tiere gemieden, weshalb man bei ihrem Anbau ohne Pestizide auskommt. Das macht Hanf zu einem sehr unbelasteten Material. Früher wurden Hanffasern vor allem zu Tauen oder Segeln verarbeitet. Heute gibt es Stoffe, Teppiche und sogar Tapeten aus dem Material.

Eigenschaften von Hanffasern

• hohe Festigkeit
• sehr robust (stärkste Pflanzenfaser)
• antimikrobiell
• schwer entflammbar
• nimmt schnell viel Feuchtigkeit auf und gibt sie auch schnell wieder ab
• Strahlenschutz (UV-Licht/ Elektrosmog) durch hohe Dichte
• benötigt keine Pestizide zum Anbau
• rein und ökologisch
• resistent gegen Insekten und Nagetiere durch natürliche Bitterstoffe
• hat eine positive CO2-Bilanz und trägt zum Weltklimaschutz bei
• recycelbar
• nachwachsender Rohstoff
• schwer zu verspinnen, daher teurer in der Produktion
• kratzig, nicht weich

Hanf als Dämmmaterial

Aufgrund der hohen Dichte, sowie der antimikrobiellen, atmungsaktiven und brennresistenten Eigenschaften eignet sich Hanf sehr gut als Wärmedämmung und als Schallschutz im ökologischen Hausbau. Die Fasern werden zu Vlies gebündelt und kommen als Platten zwischen die Wände. Sie sind resistent gegen Schimmel, Schädlinge und Feuchtigkeit. Auch die Hanfschäben (Abfallprodukt bei der Faserproduktion) können zur Isolation oder zur Beimischung in andere Baustoffe wie Lehm oder Beton verwendet werden. Hanfschäben sind günstig und werden häufig auch zum Auffüllen von Hohlräumen, Zwischenwänden oder als Fußbodenaufbau eingesetzt.

Gesundes Wohnen

Hanflehm

Lehm und Hanf ergänzen sich ganz wunderbar. Werden zu Lehm Hanffasern oder Hanfschäben beigemischt, so optimiert das den Baustoff, da die Isolations- und Schallschutzeigenschaften verbessert werden. Beide Materialien sorgen für ein gesundes Raumklima, sind atmungsaktiv und isolierend. Außerdem können durch Beimischung Leichtlehmwände (für Dachböden und Zwischenwände im Innenbereich) errichtet werden. Hanflehm ist vollständig recycelbar, ökologisch rein und zudem vergleichsweise günstig selbst herzustellen.

Hanf-Teppich

Ein Hanfteppich ähnelt in der Optik und in den Eigenschaften einem Sisalteppich. Er ist jedoch noch langlebiger und strapazierfähiger als die Naturfaser Sisal. Sein raues Erscheinungsbild sorgt für einen rustikalen Look. Unter dem Esstisch oder in der Diele, wo andere Textilien aufgrund der starken Beanspruchung früher oder später den Geist aufgeben, macht er eine gute Figur. Zum Reinigen klopft man ihn einfach aus. Auch ins Wohnzimmer passt er gut.

Eins muss Ihnen jedoch klar sein: Ein Teppich aus Hanffasern ist rau und bei Weitem nicht so kuschelig wie Wolle. Daher ist solch ein Teppich zum Beispiel weniger für das Schlafzimmer geeignet.

Hanf als Textil

Hanfgewebe knittert leicht. Deswegen werden Hanffasern oft mit Baumwolle oder anderen Fasern wie Leinen, Seide oder Wolle gemischt. Gardinen aus Hanffasern haben die tolle Eigenschaft, einen natürlichen UV-Schutz zu besitzen. Auch im Bad macht sich Hanf gut, da er schimmelresistent ist. Die Fasern absorbieren Feuchtigkeit und geben diese auch geschwind wieder ab.

Optimale Klimaregulierung

Hanf ist ca. 3mal saugfähiger als Baumwolle und kann somit deutlich mehr Feuchtigkeit aufnehmen als z. B. Baumwolle. Dabei fühlt sich der Hanfstoff jedoch nicht "naß" an.

Wichtig: Hanf-Stoff gibt die Feuchtigkeit auch deutlich schneller wieder ab, als z. B. Baumwolle! Durch Lufteinschlüsse in der Faser fühlt sich Hanfstoff im Sommer kühl, im Winter dagegen warm an.

Natürliche Farbwelt

Naturbelassene Hanffasern weisen eine mittelbraune Färbung mit goldgelben Nuancen auf. Sie passen hervorragend zu anderen Naturtönen und Weiß. Gut kann man sie mit Materialien wie Wolle oder Sisal, Jute, Kokos oder Flachs kombinieren. Auch geölte Vollholzmöbel sehen zu Hanf toll aus.

Für Farbliebhaber gibt es auch mit Pflanzenfarbe gefärbten Hanf. Meist in gedeckten Farben ohne knallige Töne. Man muss hier auch beachten, dass die Farbe bei häufigem Waschen zunehmend verblasst.